Kann die Migros Bank den Margendruck überwachsen?
Eine Zerlegung des Zinserfolgs
Wenn sich die Zinserträge einer Bank verändern, gibt es nur zwei Ursachen: Kreditvolumen oder Zinsmarge. Wir zeigen die Zerlegung am Beispiel der Migros Bank.
BANKENKOMPASS.CH
Der Geschäftsbericht 2025 der Migros Bank weist eine Nettozinsmarge von 0,95% aus — gegenüber 1,12% im Jahr 2019, aber eine leichte Erholung vom Tiefstand von 0,93% im Jahr 2024. Der Zinserfolg lag bei CHF 605 Millionen, noch unter dem Höchststand von CHF 612 Millionen aus 2023. Das Kreditvolumen wuchs auf CHF 54,5 Milliarden. Ist das Schlimmste überstanden?
Die Antwort liegt in der Zerlegung. Jede Veränderung des Zinserfolgs hat zwei Treiber: den Volumeneffekt (wie viel das Kreditwachstum beigetragen hat) und den Margeneffekt (wie viel die enger werdende Zinsspanne gekostet hat). Wenn die Marge schneller schrumpft als das Kreditbuch wächst, sinkt der Ertrag — trotz grösserem Portfolio.
Das Diagramm unten zeigt diese Zerlegung für die Migros Bank von 2019 bis 2025. Jeder Balken steht für ein Jahr, aufgeteilt in Volumen- und Margenkomponente. Die kumulative Linie zeigt die Nettoentwicklung gegenüber 2019. Die gestrichelte Linie ist der Peer-Durchschnitt.
Zinsertrags-Analyse
Zerlegung in Volumen- und Margeneffekt, Jahr für Jahr
Net Interest Margin
%
Loans / Deposits
%
Sehen Sie die echten Banknamen,
erstellen Sie eigene Peer Groups
und nutzen Sie die vollständige Analyse.
Die vollständige Plattform bietet 70+ Schweizer Banken, bis zu 10 Jahre Historie, flexible Peer-Groups und zahlreiche thematische Deep Dives.
Was das für Schweizer Banken bedeutet
Die SNB steht bei 0%. Der Rückenwind von 2023 ist vollständig aufgebraucht. Die Migros Bank erzielt noch 72% ihrer Erträge aus dem Zinserfolg — gegenüber 78% im Jahr 2019. Noch immer hoch genug, dass eine Margenverschiebung von 20 Basispunkten das Ergebnis spürbar bewegt. Die leichte NIM-Erholung auf 0,95% im Jahr 2025 bietet etwas Entlastung, aber die strukturelle Abhängigkeit bleibt. Das gilt für die meisten Schweizer Retailbanken.
Zwei Dinge haben in diesem Zeitraum tatsächlich gewirkt: Kreditwachstum (CHF 42,8 Mrd. auf CHF 54,5 Mrd. seit 2019) und Kostendisziplin (Cost-Income-Ratio von 58% auf 55% verbessert). Keine strategischen Schwenks — operative Gewohnheiten. Banken, die in den guten Jahren effizient gearbeitet haben, haben jetzt Spielraum. Wer 2023 als neuen Normalzustand betrachtete, hat diesen Spielraum nicht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Zinsertragsdruck bei Schweizer Banken?
Der Zinsertragsdruck bezeichnet die strukturelle Abnahme der Nettozinsmargen. Nach einer vorübergehenden Erholung 2023 durch SNB-Zinserhöhungen schrumpften die Margen 2024 deutlich, bevor sie sich 2025 leicht stabilisierten. Schweizer Banken verdienen pro Franken ausgeliehenem Kapital weniger als vor dem Zinszyklus.
Wie hat sich die Nettozinsmarge der Migros Bank entwickelt?
Die Nettozinsmarge der Migros Bank lag 2019 bei 1,12% und sank bis 2024 auf 0,93%. Die Zinserhöhungen der SNB hoben sie 2023 vorübergehend auf 1,02%. 2025 erholte sich die Marge leicht auf 0,95%, bleibt aber deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Im Vergleich zum Peer-Durchschnitt von 0,91% hat sich die Migros Bank marginal besser gehalten.
Was ist der Unterschied zwischen Volumen- und Margeneffekt?
Der Volumeneffekt misst, wie sich die Veränderung des Kreditvolumens auf den Zinsertrag auswirkt: Ein grösseres Kreditbuch bringt mehr Zinserträge. Der Margeneffekt erfasst den Einfluss der Zinsspanne: Eine engere Marge zwischen Kredit- und Refinanzierungskosten reduziert den Ertrag pro ausgeliehenen Franken. Beide Effekte zusammen erklären die jährliche Gesamtveränderung.
Welche Schweizer Banken spüren den stärksten Margendruck?
Am stärksten betroffen sind Banken mit hohem Hypothekenanteil in wettbewerbsintensiven Einzugsgebieten. Kantonalbanken und mittelgrosse Retailbanken spüren den Druck besonders, da Zinserträge einen grossen Teil ihres Gesamtertrags ausmachen. Grössere Institute mit bedeutendem Gebühren- und Vermögensverwaltungsgeschäft können den Margendruck leichter abfedern.